Unsinn spät nachts.

Donnerstag, 15. Oktober 2009 at 3:05 (Aus meinem Leben, Witziges)

Angenommen, mein Leben wäre eine surreale Komödie. Wofür wäre das dann gut?

Ich meine, wenn nur ich das mitbekomme.

Also neulich nachts schlafe ich bei einem gewissen Menschen, bei dem ich sehr gern schlafe. Mein Freund, muss man hinzufügen, hat die Eigenschaft, immer ausgesprochen albern zu werden, wenn er müde ist. Neulich nachts versuchte er einzuschlafen, aber es gelang nur mir ohne Probleme.

Mitten in der Nacht erleuchtete ihn dann aber ein Gedanke, den er unbedingt mit mir teilen musste:

„Weißt du, was uns viel Zeit sparen könnte? Wenn wir unser Essen atmen könnten.“

Obwohl ich das generell für eine gute Idee hielt, war ich doch ziemlich müde und beschränkte mich zur Antwort daher auf ein:  „Aha?“

„Ja“, sagte er begeistert: „Es könnte Schweinebrateninhalatoren geben! Mit Extrabatterien für Erdbeerpudding. Und für Kartoffeln.“

„Kartoffeln schmecken nach nichts.“

„Ja, das sind ja auch die billigsten.

Wenn man sie an die Wand sprüht, wachsen da echte Kartoffeln. Und wenn die sich ganz doll lieb haben, kommt neues Kartoffelspray heraus.“

„Ich glaube, ich könnte nicht schlafen, wenn sich an der Wand Kartoffeln paaren würden.“, antwortete ich missmutig.

„Nein, das wäre ganz toll!“

„Das macht überhaupt keinen Sinn.“

„Doch. Es macht genau so viel Sinn wie ein Reh mit Benzin zu übergießen, es zu baden und dann an Greenpeace zu verkaufen. Zum Freundschaftspreis.“

Ich dachte, wenn ich schweige, hört es vielleicht auf.

„Der Stern stimmt mir zu!“, sagte er und deutete auf den im dunklen leuchtenden Stern über seinem Bett.

„Das ist ein normaler Plastikstern. Er kann nicht sprechen.“

„Doch. Er spricht sternisch. Marlon Brando lernt das gerade.“

Ich drehte mich herum und genoss einen Moment stille. Jetzt war es nicht mehr laut, sondern kalt. Der Fiesling hatte die Decke an sich gerissen.

„Gib mir bitte ein Stück von der Decke“, bat ich höflich.

„Nur unter einer Bedingung.“

„Unter welcher?“

„Adoptiere einen Affen.“

„WAS!?“

„Ich könnte ihm süße kleine Husarenuniformen anziehen und ihn dressieren. Und eines nachts wird er uns alle im Schlaf töten.“, sagte er mit verträumtem Lächeln.

Ich drehte mich weg.

„Weißt du, was lustig wäre? Wenn Bäume den Präsidenten wählen dürften.“

„…“

„Der Ahorn würde Horst Köhler wählen.

Stell dir vor, ein Duell zwischen Horst Köhler und einem Löwen!“

„Köhler würde verlieren.“

„Ja, vor allem weil er als Waffen nur zwei Steine hat. Einen in der Hand und einen in der Niere.“

Ich begann leise zu weinen.

Mein Freund setzte zu einem weiteren Satz an… holte Luft… und schlief ein.

Und die Moral von der Geschichte: Es gibt einen Gott.

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Politisch korrekt gegipst

Mittwoch, 9. September 2009 at 12:39 (Aus meinem Leben, Witziges)

Sehen Sie sich bitte dieses Foto an.

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Ist es nicht süß? Der niedliche kleine Junge am Ende des letzten Jahrhunderts sitzt da und wundert sich vermutlich, was eine Kamera ist. Herzerwärmend.

Wissen Sie, wer das ist?

Nein?

Nie gehört?

Den kennen Sie bestimmt.

Das ist Hitler.

Es ist mein neues Lieblingsspielzeug. Wenn ein Bekannter bei mir zu Besuch ist, zeige ich ihm das Foto. Üblicherweise findet dann folgender Dialog statt:

„Ooooh, wie süüß! Wer ist das?“

„Hitler.“

„Nein, ernsthaft, wer ist das?“

„Hitler.“

„Marina, mir reicht es mit deinem ‘Ad Hitlerum’. Wer ist das wirklich?“

„Das ist Adolf Hitler als Baby. Das Foto ist aus dem deutschen Bundesarchiv.“

„Oh Gott.“

„Ja.“

„Sagst du es bitte niemandem, dass ich so reagiert habe?“

„Was bekomme ich?“

Der Rest variiert dann je nach sozialer Angst des Opfers.

Es ist heutzutage wirklich nicht leicht, um den Einstmals-Diktator herum zu kommen. Er taucht überall auf. Und zwar sowohl, weil er fast so gute Witz-Vorlage ist wie Batman, als auch weil er in sechs Buchstaben das ultimative Böse verkörpert. Früher hätte man „Teufel“ gesagt.

In anderer Meldung habe ich mir vergangene Woche mal wieder den rechten Arm gebrochen. Ich bin leider bei Regen in Tanzschuhen Fahrrad gefahren, bin dabei abgerutscht und mit dem Kopf in einen Baum gerasselt. Macht das nicht zuhause nach.

Wenigstens wurde ich jetzt operiert und habe eine tolle Titan-Platte im Arm, die verhindern sollte, dass ich mir das Handgelenk so schnell wieder breche. MechaMarina.

So eine Operation hat nicht nur Vorteile. Zum Beispiel tut das echt höllisch weh. Im Moment habe ich noch einen Gips um, aber mir tut garnicht so sehr der Knochen weh, wie die OP-Wunde. Um den Schmerz zu stillen, hilft es, den Arm hoch zu halten.

Mein Freund und ich waren neulich auf einem lockeren Spaziergang durch die Stadt unterwegs. Wir sahen beachtlich aus, siehe auch Foto unten. Er mit seiner Weste und Hut, mit Krawatte passend zu meinem Schultertuch… Ein Blickfang jedenfalls. Wir spazieren eben durch die Stadt Richtung zuhause, als mein Arm wieder wehtut. Wir setzen uns auf eine Parkbank. Es hilft nichts, ich muss den Arm hoch halten. Da ich noch Probleme habe, meinen Ellbogen zu beugen, muss ich den rechten Arm ausgestreckt hochnehmen, und zwar nur so weit, wie meine Schulter das zulässt.

Sie können sich die entstehende Pose vermutlich ausmalen. Die Leute guckten schon, und die Sache wurde mir sehr peinlich. Irgendwie musste man doch deutlich machen, dass die verehrung anstößiger Gesten nicht in unserer Absicht lag.

Wir saßen also dort auf der Parkbank, so gekleidet wie wir waren, und jedes mal, wenn ein Passant vorbei kam, grüßten wir uns verlegen:

„Shalom, Frau Weisband.“

„Shalom, Herr Rosenfeld.“

Ich kann nicht sagen, ob uns unsere Kleidung, meine Pose, oder doch das kleinlaute „Shalom“ die meisten Blicke einbrachten. Jedenfalls begann ich mich zu fragen, warum sowas immer in meinem Leben passiert.

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Kochen bei 90°

Donnerstag, 27. August 2009 at 15:42 (Aus meinem Leben, Witziges) ()

Man sagt, wenn man anfängt, seinem Passbild ähnlich zu sehen, wird es höchste Zeit, Urlaub zu machen. Als ich neulich meinen Fahrausweis vorzeigte, beugte sich der Kontrolleur tief über das Passbild, betrachtete es eingehend, schaute mir ins Gesicht, dann wieder auf den Pass und sagte: „Sind Sie in Ordnung?“

Ich beschloss, dass es Zeit für eine Auszeit war. Geld zum Verreisen war leider keines da, also beschlossen der wichtigste Mann in meinem Leben und ich gemeinsam in die Sauna zu fahren.

Das beste Saunaangebot in der Nähe von Münster soll in Amelsbühren sein. Zum Glück ist die Anbindung sehr gut. Der zweite Bus, in den wir umstiegen, brachte uns fast bis zum Zentrum von Amelsbühren, von wo aus es keine zwei Kilometer mehr zu Fuß bis zur Sauna waren.

Nachdem wir von der Landstraße, an deren Rand wir gewandert waren, einbogen, sahen wir vor uns das riesige Territorium der Saunaanlage. Wir kamen hinein wie in ein gutes Hotel, kauften Tageskarten bei der gutaussehenden und natürlich blonden Frau am Schalter, liehen uns Schlappen (für ihn) und einen Bademantel (für mich) und stürzten uns ins Vergnügen.

Der durchschnittliche Saunabesucher ist über 50 Jahre alt und hat einen BMI von über 30. Ich weiß nicht, warum es so ist. Jedenfalls hat es ausgereicht, um mich mit meinen 21 Jahren und meinem BMI von Irgendwas-um-die-20 als Außenseiterin fühlen zu lassen.  Die durchschnittliche Bekleidung in so einer Anstalt ist übrigens: nichts.

Ich war überwältigt von den Möglichkeiten, die mir dieses Erholungszentrum bot: Sauna, Whirpool, Dampfbäder, Badeteiche, Ruheräumlichkeiten, in denen man sich sehr leicht verlaufen kann. Um ehrlich zu sein, hätte ich mich ohne die kompetente Führung meines Freundes vermutlich wirklich verlaufen und man hätte mich nach zwei Wochen halbverhungert in den Dünen eines Erholungsstrandes gefunden.

Trotz meiner unglaublichen Komplexe, mich vor anderen Leuten zu entkleiden (es kostet mich sogar Überwindung allein zuhause nackt herumzulaufen), und trotz mehrerer verzweifelter Fluchtversuche, die darin endeten, dass ich mich verlief und mein Freund mich fand und einfing, kamen wir nach einer ausgiebigen Dusche doch in eine Sauna hinein. Im ersten Moment hatte ich das Gefühl, Watte zu atmen. Aber Watte wäre vermutlich sauerstoffhaltiger gewesen. Ich setzte mich auf eine Holzbank, ignorierte damenhaft elegant die Blicke zweier älterer Männer, mit einem deutlichen Verweis an meinen zwei Meter hohen Begleiter und schlug die Beine übereinander. Die warme Temperatur stellte ich als gar nicht mal so unangenehm heraus. Ich fühlte mich wohl.
Nach fünf Minuten dachte ich: „Läuft.“
Nach zehn Minuten dachte ich: „Oh Gott, ich laufe!“
Nach fünfzehn Minuten dachte ich: „Hoffentlich kann ich hinterher noch laufen.“

Ich konnte es noch. Zumindest bis zur Dusche. Das kalte Wasser, das dort an meinem Körper hinunterfloss, gab mir den Rest.

Dann aber, nach angemessener Erholungszeit, muss ich gestehen, dass ich immer mehr Freude am Prozess fand. Mein Freund musste immer weniger Gewalt anwenden, um mich dort zu behalten. Wir hatten sehr viel Spaß und versuchten auch die anderen Kurgäste aufzuheitern, indem wir abwechselnd in das Schwimmbad sprangen, uns im Whirpool nassspritzten und lachend über das ganze Gelände rannten. Sie zeigten sich nicht ganz so dankbar, wie wir gehofft hatten.

Ich war von diesem Tag restlos begeistert. Als wir uns gegen halb sieben umzogen und auscheckten, fühlte ich mich entspannt, ausgeglichen, ruhig und wohl. Mein Körper schwebte fast, und ich war gleichzeitig angeregt, wie auch angenehm erschöpft. Jetzt nur noch in ein Bett fallen lassen.

Mit diesem schönen Gefühl machten wir uns auf den Weg, zwei Kilometer die Landstraße entlang. Zu Fuß. Durch den Schnee. Ich hasse mein Leben.

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Vernissage

Samstag, 24. Januar 2009 at 3:57 (Aus meinem Leben, Kunst) ()

Heute war vielleicht einer der schönsten Abende meines Lebens. Wozu kleinlich sein? Vielleicht der schönste.

Am 23. Januar fand im Kulturzentrum FÜNTE in Mülheim an der Ruhr die Eröffnung meiner ersten Ausstellung statt. In zwei Räumen hängen 20 meiner Zeichnungen und vier Leinwandbilder.

Zum ersten Mal in meinem Leben waren in diesem einen Haus alle Menschen versammelt, die mir am Herzen lagen. Freunde, Kommilitonen, Familie. Menschen aus ganz verschiedenen Lebensbereichen; Menschen, die sich nicht kennen. Und alle sind sie herzensgute Menschen, alle sind sie liebenswert, denn ich hatte in meinem Leben immer Glück mit Begegnungen.
Ich habe geredet und gesungen, auf zwei Gitarren haben wir Zigeunerlieder gespielt, ich habe mich in zwei Sprachen mit teilweise Fremden und teilweise Lieben unterhalten.
Mit einem Wort – ich bin glücklich. Ich bin nach Hause gefahren mit vielen roten Blumen und schwarzen Bändern auf den Armen, und meine Bilder, meine liebsten Kinder, wurden mit einer solchen Begeisterung aufgefasst, die mir das Herz wärmt.
Ich hatte eine deutliche Empfindung: Nach diesem Abend nun kann alles passieren. Nach diesem Abend kann ich auch sterben, es wäre mir gleich. Jetzt weiß ich, dass alles, was ich bisher in meinem Leben getan habe, nicht umsonst war.  Denn heute Abend hat sich mein ganzes Leben in einem einzigen Raum versammelt.

Das sind die Worte einer von Glück betrunkenen, und genau darum wollte ich sie noch jetzt, totmüde, verfassen. Und veröffentlichen, ohne noch einmal darüber zu lesen, denn Aufrichtigkeit ist der wahre Wert der Worte.

Schlaf gut, liebe Welt. Lass uns lächelnd unsere Ruhe genießen, und uns morgen wieder treffen. Gehen wir morgen einen Kaffee trinken.

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Fältchen

Freitag, 14. November 2008 at 1:44 (Aus meinem Leben) (, , )

Wenn ich heute in den Spiegel blicke, merke ich, dass das Leben nicht jünger macht.
Wenn ich lächle, bilden sich auf meinen Wangen diese flachen Grübchen, die vorher nicht da waren. Und unter meinen Augen sind auch feine Linien…

Natürlich denkt man bei so einem Anblick an die Vergänglichkeit des Lebens.
Aber im Stillen
danke ich Gott dafür, dass meine ersten Fältchen
Lachfältchen sind.

Müde

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Über die Gerechtigkeit der deutschen Bürger

Freitag, 7. November 2008 at 9:37 (Aus meinem Leben, Philosophisch) (, )

Ich bin eine dieser nervigen Gutmenschen-Personen. Eine naive Gläubige an das allgemeine Gute in der Welt und im Menschen. Ich bin jemand, der, wenn er keine zwei Euro für den Spind hat, seine Sachen in den unverschlossenen Spind legt und in die Bibliothek geht, in der Überzeugung, dass niemand, sogar wenn er sie dort findet, sie nehmen wird.

Und bisher hatte ich immer recht.

Und nun, liebe Leser, stellen Sie sich bitte folgendes vor: Ich falle gestern Abend auf dem Bahnhofsvorplatz in Ohnmacht – und man klaut mein Portemonnaie!

Ich hätte das bisher nicht einmal für möglich gehalten. Tatsächlich habe ich es auch zu dem Zeitpunkt nicht für möglich gehalten. Ich gehe dort mit meinem niedrigen Blutdruck und Blutzucker von 80 entlang, mir wird schwindelig, ich verliere das Bewusstsein. Als ich aufwache, bin ich wie üblich von einer Menschenmenge umringt, eine ehemalige Krankenschwester überredet mich, liegen zu bleiben und ein Mann ruft einen Krankenwagen. Ich richte mich stur und gegen die Wehr der Frau auf, greife nach meiner Tasche – aus der offenen Tasche schlittert der Inhalt – die Frau tut den Inhalt wieder hinein und gibt mir die Tasche. Einige freundliche Leute warten die vielen (!) Minuten, bis der Krankenwagen eintrifft und helfen mir hinein. Beschreiben die Situation. EIne halbe Minute bin ich vielleicht bewusstlos gewesen.
Im Krankenwagen überzeuge ich die Sanitäter nach der Untersuchung davon, dass keinerlei Grund besteht, mich ins Krankenhaus zu fahren und sie lassen mich gehen. Ich gehe zur Bushaltestelle, will eben meinen Fahrschein herausholen – und er ist weg. Und nicht nur er. Ausweis, Studentenausweis, Krankenkassenkarte, ec-Karte, Cafeteriakarte, 150 Euro bar… alles weg. Und auch noch ein Bild, das ich gerade zum Zeichnen gebraucht hatte.
Natürlich habe ich das zur Anzeige gebracht und die ec-Karte sperren lassen.
(Wartemusik – *freundliche stimme* „Guten Abend, Krause*, was kann ich heute für Sie sperren lassen?“)

Da bin ich also nun. Mit meinem Glauben an die Menschheit. An die Deutschen, die hilfreichsten Menschen der Welt. Sind sie wirklich so nieder, dass sie einer ohnmächtigen jungen Frau, die nichteinmal aussieht, als hätte sie viel, das Portemonnaie aus der Tasche ziehen? Wie weit ist es mit der Moral in unserer Gesellschaft her? Sind die Menschen in Wirklichkeit doch unsere Feinde?

Nein!

Wenn ein Einzelner soetwas getan hat, bedeutet es, dass man Menschen nicht trauen kann? Ja, vielleicht hat jemand meine Geldbörse genommen, vielleicht sogar in böswilliger Absicht. Aber eine andere Frau hat ihren Bus verpasst, und ihr Fachwissen angewandt, um mir zu helfen. EIne andere Frau sprach mir gut zu und beruhigte mich, obwohl sie mich nicht kannte. Ein anderer Mann rief einen Krankenwagen und wartete die ganze Zeit am Straßenrand auf ihn, obwohl er am Bahnhof sicherlich besseres zu tun gehabt hätte. Andere Menschen hielten an und fragten, ob alles in Ordnung sei. Sie schenkten mir Freundlichkeit und beruhigung. Und das tun sie jedes mal, wenn soetwas passiert, egal, wo es passiert.
Und als ich weinend den Platz absuchte, ob es nicht doch irgendwo dort liegt, rutschte ein alter Mann geduldig zur Seite auf seiner Bank und tippte mit der Hand auf den leeren Platz neben sich. „Setzen Sie sich erstmal, Kindchen. Beruhigen Sie sich.“ Und als ich ihn um zwei Euro für den Bus bat, holte er seine Brieftasche heraus und gab mir den letzten Euro, der sich darin befand. Buchstäblich. Und als ein Mädchen neben mir das sah, gab sie mir unaufgefordert den zweiten.

Können all diese Menschen, all diese guten Herzen, von einem einzigen, gewissenlosen Menschen übertönt werden?

Nein, das können und das dürfen sie nicht. Denn das wäre ungerecht, das wäre ein Sieg des Bösen.

Ich glaube weiterhin an die Menschheit.

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Der Kuss

Mittwoch, 5. November 2008 at 22:24 (Aus meinem Leben) ()

Das Leben ist soo stressig…

Als Entspannung habe ich heute auf einer Karte die Stelle markiert, wo ich meinen ersten Kuss bekommen habe.

Ich bin mir sogar mit dem Gleis sehr sicher.

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Kopfhörer

Dienstag, 21. Oktober 2008 at 19:32 (Aus meinem Leben) (, )

Der Herbst hat nun vollständig, entgültig Einzug genommen, und nichteinmal die größten Optimisten können den Winter jetzt noch leugnen. Der Himmel ist überzogen von grauer, kalter Milch, die müden Bäume werfen ihr braun-oranges Laub in nassen Haufen auf die Straßenränder. Die ganze Welt ist gewaschen, ist kühl und duftet angenehm nach rottendem Laub.
Ich selbst habe heute meinen roten Herbstmantel angezogen. Auf dem Weg zur Universität steckte ich mir die Kopfhörer meines mp3-Players in die Ohren und hörte französischen Chanson. Die Pianoklänge untermalten den Wind, der meine Haare durcheinander warf, spielten mit den fallenden goldenen Blättchen, färbten das Grau der Luft warm. Als ich über die Brücke ging, floss unter mir das ruhige Wasser, in dem rote und gelbe Blätter wie Schiffe trieben, immer im Takt, eine einheitliche, vollkommene Schönheit.
Ich wurde mir mitmal folgender Sache bewusst: Das Mädchen, das mir auf dem Fahrrad entgegenkam, hatte ebenfalls Kopfhörer in den Ohren. Der junge Mann, der mit mir in den Bus stieg, auch. Viele Menschen.
Ich frage mich, was sie wohl hörten. Hörten sie Rock, der ihre Aufmerksamkeit aus der Welt stahl? Hörten sie traurige Filmmusik, die jeden Menschen, dem sie begegneten, in ihrem Geist mit einer tragischen Geschichte verband? Sahen sie mich tänzeln? Passte mein Tänzeln wohl zu ihrem Takt? Wie sieht ein Mädchen in einem roten Herbstmantel aus, für jemanden, der Jazz hört, oder für jemanden, der Metal hört? Wie sieht die Welt meiner Mitmenschen wohl aus?
Ich kann es nicht wissen. Sie tragen Kopfhörer, und ich kann nicht hineinhören, was sie hören.
Genauso wenig, wie ich in ihre Gedanken sehen kann.

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Je suis malade

Freitag, 17. Oktober 2008 at 1:35 (Aus meinem Leben) (, , )

Ein neuer Tag hat sich wieder magisch sekundenschnell in tiefste Nacht verwandelt. Ich sitze am Schreibtisch, wie eh und je, an diesem Platz, der mein angestammter Platz ist, den ich nicht verlassen werde. Vor den Fenstern hängt in dicken Spinnennetzen die Nacht und lässt mich nicht hinaus, und irgendwo hinter der Nacht ist alles, was mir in der Vergangenheit begegnet ist.
Vielleicht gebe ich irgendwann ein Fest, und dann lade ich alle ein, die ich einst geliebt habe. Es wäre lustig.

Meine Wohnung sieht aus wie ein Schlachtfeld. Da hinten sehe ich die sterblichen Überreste zweier Fünf-Minuten-Terrinen neben einander. Verstreut liegen die leeren Hüllen von Ferrero Küsschen auf meinem weiten Tisch, und in einem Teller vertrocknet mahnend das Skelett einer Weintraubenrebe.

Ich will nicht sagen, irgendwas liefe schief. Es läuft sehr gut gerade. Nur kann ich eben nicht aufräumen, weil meine Hand ja verletzt ist.
Ich bekomme sehr viele Jobangebote zur Zeit, was ich auch anfasse, es hat Erfolg.
Nur meine Hand bleibt eben ungeküsst.

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Pause wider Willen

Dienstag, 14. Oktober 2008 at 13:56 (Aus meinem Leben, Lyrik) (, , )

Ich werde in der nächsten Zeit nicht viel schreiben oder zeichnen können. Der Grund dafür ist simpel: Bei so einer kleinen Art Rauferei ist meine Faust irgendwie unglücklich auf jemandes Jochbein aufgekommen und seitdem büße ich meine rechte Hand ein.

Das ist für mich als Künstlerin ein sehr unangenehmer Zustand, denn Verletzungen der linken Hand behandle ich immer sehr stiefmütterlich; aber die Rechte, das ist eine andere Geschichte, die ist mein Liebling.

Darum gibt es heute statt einer Zeichnung nur das Bild einer unfertigen Zeichnung mit dem Titel: „Wie ich nicht mehr zeichnen konnte.“

Letzte Worte:

Verflucht seien die Männer, die Parfum tragen!
Deren Duft nachts nicht
Aus meinen Kissen und aus meinen Träumen weicht.
Verflucht seien die Männer, deren Lippen sich beim Lachen kräuseln,
Deren Bild immer wieder
Die empfindlichsten Saiten berührt.
Verflucht seien ihre Hände
Und ihre Augenfarbe.
Verflucht seien die Männer, die Parfum tragen!

M. Weisband

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