Februar
Wir haben uns im Februar getroffen,
Und gleich begann es uns hinfortzureißen
Und sofort brannten Lichterloh die Seelen
Und „Februar“ sollt unser Leben heißen.
Wir trafen heimlich uns am Valentinstag
Und tauschten mit den Blicken heiße Worte,
Und lasen Zeichen in dem kleinsten Zufall
Und träumten uns zu zweit an ferne Orte.
Wir sprachen der Versprechen viel zu viele
Und wollten von einander niemals weichen.
Wir sprachen uns zuletzt am Aschermittwoch
Und sogar darin lese ich ein Zeichen.
Berühre meine Liebe nicht
Wenn meine Seele sich erholt
Von deinen schönen Worten,
Dann öffne mutig ich den Mund
Und ruf es in den Wind:
Streck deine rauhe Hand nicht aus,
Bleib fern von meinen Pforten!
Berühre meine Liebe nicht,
Denn sie ist noch ein Kind.
Nur wenig nötige Details
Sind alle deine Worte,
Schmückender Rauch und Beigeschmack,
Gelogener Roman.
Du Dieb bist sie mitnichten wert,
Ich kenne deine Sorte.
Lass meiner Liebe Freiheit noch,
Denn sie wächst noch heran.
Ich lege schützend mich um sie,
Ich kämpfe für ihr Leben.
Sie ist ein Teil von jenen Dingen,
die noch heilig sind.
Drum sieh sie nicht so lüstern an,
Ich werd sie dir nicht geben.
Berühre meine Liebe nicht,
Denn sie ist noch ein Kind.
Lermontov über mich
„Wo Meer und Himmel sich vereinen,
Erglänzt ein Segel, weiß und weit -
Was trieb es aus dem Land der Seinen?
Was sucht es in der Einsamkeit?Es pfeift der Wind. Die Wellen drohen.
Es knarrt der Mast. Das Segel schwebt
Nicht vor dem Glück ist es geflohen.
Es ist nicht Glück, wonach es strebt.Strahlt auch in Gold der Himmelsbogen,
Und glänzt auch noch so blau das Meer -
Das Segel lechzt nach Sturm und Wogen,
Als ob in Stürmen Ruhe wär.“- Michail Lermontov
(Übersetzt von: Heinrich Greif)
Pause wider Willen
Ich werde in der nächsten Zeit nicht viel schreiben oder zeichnen können. Der Grund dafür ist simpel: Bei so einer kleinen Art Rauferei ist meine Faust irgendwie unglücklich auf jemandes Jochbein aufgekommen und seitdem büße ich meine rechte Hand ein.
Das ist für mich als Künstlerin ein sehr unangenehmer Zustand, denn Verletzungen der linken Hand behandle ich immer sehr stiefmütterlich; aber die Rechte, das ist eine andere Geschichte, die ist mein Liebling.
Darum gibt es heute statt einer Zeichnung nur das Bild einer unfertigen Zeichnung mit dem Titel: „Wie ich nicht mehr zeichnen konnte.“
Letzte Worte:
Verflucht seien die Männer, die Parfum tragen!
Deren Duft nachts nicht
Aus meinen Kissen und aus meinen Träumen weicht.
Verflucht seien die Männer, deren Lippen sich beim Lachen kräuseln,
Deren Bild immer wieder
Die empfindlichsten Saiten berührt.
Verflucht seien ihre Hände
Und ihre Augenfarbe.
Verflucht seien die Männer, die Parfum tragen!
M. Weisband
Sie haben nur die Tür verwechselt
Es war schon Abend, dunkel, kalt; da klopfte es noch an die Tür.
„Eine solche feine Dame! Wollen Sie etwa zu mir?“
„Bin nur ein komisches Geschöpf, das nichts erkennt und sich nun wundert.“
„Sie haben bloß die Tür verwechselt; das Haus; die Stadt – und das Jahrhundert.“
Es gab noch eine zweite Witwe
Es gab noch eine zweite Witwe. Die hat man vergessen.
Oder sie dachten kurz an sie, als sie den Sarg verschlossen.
Sie ging ganz abseits, ganz in schwarz, sie war ganz leise.
Sie hatte blasse Lippen, kam gerade von der Reise.
Sie hat schon lange sich gewöhnt, sie lebt nun weit entfernt.
Und an der Seite eines Anderen hat sie zu sein gelernt.
Aber der Julitag ist kalt, dass selbst das Blut gefriert.
Wem ist Gewöhnung denn ein Trost, wenn man sein Herz verliert?
Sechs Jahre war es nun schon her, es war das siebte -
Doch einst war sie an seiner Seite. Und sie liebte.
Es gab noch eine zweite Witwe in der lauten Menge.
Jede Liebe hat das Recht, bis in den Tod zu sein, und länger.
Sie steht entfernt von seinem Grab, das muss genügen.
Und ihr bleibt jetzt nur noch ein Sohn – mit seinen Zügen.
.
(M. Weisband; Übersetzung grob nach V. Dolina)

Es schüttelt uns…
Uns schüttelt es in Überfüllten Bussen
Uns hetzt den ganzen Tag der Alltagstrott
Uns schluckt die U-Bahn unter unsren Füssen
Umdrängelt wir von dem Passantenspott
Durch laute Straßen gehen wir vorüber
Und sehen nicht Gesichter noch Statur.
Vermischt ist miteinander unsre Atmung
Verwirrt ist ineinander unsre Spur
Aus Taschen zieh’n wir unsre Zigaretten,
Unsere Säume voll von Straßendreck.
Wenn wir einander auf die Füße treten
Entschuldigen wir uns und sehen weg.
Über Straßen mit klingenden Namen
Jeder seinem Weg folgend dabei,
Gehen wir, nicht erkannt durch einander,
stoßend an, an einander vorbei.
Lied zur Nacht
Ach, was klopft es nachts so bitterlich an mein Fenster, wenn ich allein bin?
Der Chor meiner toten Kinder singt leise ein Lied für mich.
Draußen vertrocknen auf den Wiesen die Stiefmütterchen.
Draußen riecht es nach fauligem Gras.
Hinter der Glasscheibe ist es ganz still.
Äther schwimmt wohlig vor den Augen.
Draußen wird es Tag und Nacht.
Der Chor meiner toten Kinder kann nicht einschlafen.
Nächtliche Busfahrt
Ich saß im Bus der Nachtlinie N82 und beobachtete, wie die betonnene Kälte in der Dunkelheit an mir voreizog. In der Spiegelung waren meine Augen von Schatten wie unter einem schwarzen Schleier. Unter ihnen flossen meine Augenringe durch die Haut. Weiße Gesichtshaut bei Neonbeleuchtung. Die Tüten schnitten mit ihren Griffen in meine Finger und meine Ohren waren allem offen und hörten nichts als das leise Rauschen des Motors, das die Scheibe hinunterfloss und dort irgendwo auf dem Asphalt vielleicht eine Spur hinterließ. Mein Platznachbar redete mich mit dem klammernden Duft von Alkohol an und an seinem Hemd floss der Schweiß herunter. Die Tüten schnitten mit ihren Griffen in meine Finger und Müdigkeit legte sich auf meine Augen wie ein schwarzer Schleier und meine trockenen Lippen wagten nicht mehr zu trinken, und vor den Fenstern floss die Nacht herunter. Der Bus fuhr durch die Stadt. Beton bei Neonbeleuchtung. Und ich hörte den Alkohol, der an meinem Leben herunterfloss und die Nacht schnitt mit ihren Griffen in meine müden Augen.
Und dann wollte ich denken. Aber die Gedanken waren mir ausgegangen.
Lyrik 01 – Du gehst vorbei, mir ähnlich…
Du gehst vorbei…
(Gedicht hier anhören!)
Text:
„Du gehst vorbei, mir ähnlich,
Augen, die nach unten sehen.
Ich senkte sie – genauso!
Fremder, bleib doch stehen!
Lies – wenn du gepflückt
den Strauß aus Arnika -
dass man mich Marina nannte,
und wie alt ich war
Denke nicht, dass hier – ein Grab,
und schrecklich ich erschiene …
Ich habe selbst zu gern gelacht
Wo andere nur weinen.
Und Blut floss in den Adern
Und meine Haare wehten …
Und ich war genauso – Fremde!
Fremder, bleib doch stehen!
Und steh’ nur nicht so düster,
den Kopf zur Brust gesenkt.
Leicht meiner vergiss,
Leicht meiner gedenk.
Wie das Licht dich erhellt!
Du bist ganz in goldenem Staub …
- Und, dass dich nicht erschrecke
meine Stimme von unter dem Laub.“



