Zeichensturm

Kunst passiert phasenweise. Sie hat ihre Ebbe und Flut. Ich kann nur dann zeichnen, wenn ich nicht nicht zeichnen kann. Nach vielen Monaten der Abstinenz hat es mich neulich wieder überflutet. Daraus ist eine Reihe von Bildern entstanden.

Die Herzogin in ihrer Entstehung

Meine Mutter hat mich neulich überrascht. Wir befanden uns eben im Gespräch mit einer Künstlerin, die sich meine Bilder ansah. Sie fragte, warum ich nicht Unterricht nehme und das zu meinem Beruf mache. Meine Mutter sagte: „Sie hat keine Leidenschaft zum Zeichnen.“ Ich drehte mich überrascht um und protestierte: „Aber du weißt doch, dass ich es praktisch in jeder Minute tue, ja, mir geht es sogar schlecht, wenn ich nicht zeichnen kann!“ „Ja“, entgegnete meine weise Mutter: „Aber deine Leidenschaft gilt nicht dem Zeichnen, sondern dem Menschen. Die Zeichnung ist für dich nur ein weiteres Mittel, den Menschen zu verstehen. Wie die Psychologie, die Politik, das Theater und alles, was du machst.“

Das ist überzeugend.

In diesem Sinne: Hier habt ihr  mehr Zeichnungen von Menschen. (Klicken damit groß)


Freundinnen. Dieses Bild hat mich erst wieder zum Zeichnen gebracht. Es war eine Auftragsarbeit für meine Projektpartnerinnen.


Die Herzogin. Mehr oder weniger eine Studie. Ich wollte wissen, wie lebendig ein Gesicht sein kann, wenn man es in ein Setting setzt, in dem das Gesicht in der Kunst klassischerweise hölzern dargestellt wird.


Becca. Dieses und das unterstehende Bild beziehen sich auf einen Charakter, an dem ich für Cthulhu arbeite. Es sind weitestgehend Skizzen. Im Oberen habe ich zum ersten Mal mit Mühe ein Gebäude gezeichnet.

Einladung an alle: „unter gottes fittiche“

Man muss nicht an Gott glauben, um sich mit 7 völlig wildfremden Menschen über Nacht in einer Kirche einschließen zu lassen, um dort zu übernachten. Man muss auch nicht an Gott glauben, damit einem bei dieser Erfahrung etwas offenbar wird.

Andererseits heißt es auch, dass Gott auch jenen hilft, die nicht an ihn glauben.


Unter der Leitung von Stefanie Bockermann führen wir mitten in der Münsteraner Petrikirche ein besonderes Theaterstück auf. Wir spielen im Raum mit dem Raum, wir brechen Tabus und kehren zurück zu ganz ursprünglichen Gedanken. Dabei ist das Stück nicht „fromm“ im eigentlichen Sinne. Es ist keine Kirchenpropaganda, es ist eher ein psychologischer Einblick in die menschliche Seele.

Bitte kommt doch vorbei, bestellt einfach Karten bei mir vor. Dann seht ihr mich auch mal in Rolle.

Die Termine sind:

  • 18.06.2010 – 21:00 (Premiere) (Keine Angst, lange nach dem Fußballspiel)
  • 25.06.2010 – 21:00

Mehr Infos gibtes hier: http://www.theaterblut-muenster.de/produktion.html

Ich freue mich auf euch!

P.S. an meine jüdischen Leser: Wenn einer von euch meint, nicht vorbei kommen zu wollen, weil er dazu eine Kirche betreten müsste… er möge sich gehauen fühlen.

Die Emmerich-Skala

Im Rahmen einer Bachelorarbeit über Genozidgedenken ist ein Freund sehr besorgt über den Pathosgehalt seines Erzeugnisses. Es ist schwer, davon zu schreiben, wie arme, unschuldige, kolonialisierte Afrikaner von deutschen Truppen ausgerottet werden, ohne etwas ins Pathetische abzuchweifen. Um das Problem greifbar zu machen und ihm entgegen zu kommen, haben wir die Emmerich-Skala entwickelt.

Die Emmerich-Skala misst den Pathosgehalt eines Textes anhand der darin vorkommenden Wörter (und einiger weiterer Parameter, auf die ich später in dieser Arbeit eingehen werde.)

Ein Beispiel.

Die folgenden Wörter fügen jedem Text 0.2 Emmerich hinzu:

  • kaltherzig
  • Vaterland
  • heroisch
  • fatal
  • Bollwerk
  • beispiellos
  • Schicksal
  • Vergessene
  • Herz (außer in biologischen Texten)

Hingegen erzielen folgende Worte negative Werte auf der Emmerich-Skala:

  • unterschätzt
  • pathetisch
  • ideosyntaktisch
  • Faktum (sic)
  • Emo
  • Bewaffneter Konflikt

Außer auftauchenden Worten ist ein weiterer Einfluss beispielsweise die Satzlänge. Generell gilt im Durchschnitt: Je länger die Sätze, desto niedriger der Emmerich-Wert. Beispiel:

„Aufgetürmt liegen Leichen am Straßenrand. Kinder stochern in den Trümmern nach Essen. Staub. Hunger. Verzweiflung. Ein fataler Schicksalsschlag für Haiti.“ (2 Emmerich)

Gegenbeispiel:

„Insbesondere an den Plattengrenzen, wo sich verschiedene Platten auseinander (Spreizungszone), aufeinander zu (Kollisionszone) oder aneinander vorbei (Transformverwerfung) bewegen, kommt es zum Aufbau von Spannungen innerhalb des Gesteins, wenn sich die Platten in ihrer Bewegung verhaken und verkanten, Spannungen, die sich durch ruckartige Bewegungen der Erdkruste entladen, wenn die Scherfestigkeit der Gesteine überschrittenwird, und es kommt zum tektonischen Beben.“ (-5 Emmerich)

Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Skala sich in Zukunft durchsetzen und als teilweise wichtiger Hinweis für die Öffentlichkeit fungieren wird.

Gebt dem Menschen mehr Theater!

Ich habe in meiner Wohnung zwei Kleiderschränke. Einen für meine Kleidung. (Der ist nach Farben sortiert. Die einzigen Farben darin sind: Weiß, Beige, Braun, Pflaume, Rosa und Schwarz.) Der andere Schrank ist für meine Kostüme. Er ist größer als mein Kleiderschrank, und er ist der einzige mit einer Tür. Mit anderen Worten: Ich liebe meine Kostüme und ich sammle sie. Ich könnte nicht mehr zählen, als WIE VIEL ich mich schon verkleidet habe. Aber es war viel. Einige der süßesten und freakigsten Sachen aus der letzten Zeit dokumentiere ich hier:

(Zum Vergrößern auf die Bilder klicken)

Wie schon Reinald Grebe sang:

„Heute bin ich König, morgen Bettelmann
Dem wahren Mimen sieht man nie sein wahres Alter an
Und dann
fällt das Licht auf mich
Ich bin der Stern für diesen Augenblick
Ich fühl mich frei
Kunst ist mehr als Handwerk, Kunst ist zauberei!“

Zauberhafte, geheimnisvolle, maskierte und verschleirte Grüße,

M.

Vernissage

Heute war vielleicht einer der schönsten Abende meines Lebens. Wozu kleinlich sein? Vielleicht der schönste.

Am 23. Januar fand im Kulturzentrum FÜNTE in Mülheim an der Ruhr die Eröffnung meiner ersten Ausstellung statt. In zwei Räumen hängen 20 meiner Zeichnungen und vier Leinwandbilder.

Zum ersten Mal in meinem Leben waren in diesem einen Haus alle Menschen versammelt, die mir am Herzen lagen. Freunde, Kommilitonen, Familie. Menschen aus ganz verschiedenen Lebensbereichen; Menschen, die sich nicht kennen. Und alle sind sie herzensgute Menschen, alle sind sie liebenswert, denn ich hatte in meinem Leben immer Glück mit Begegnungen.
Ich habe geredet und gesungen, auf zwei Gitarren haben wir Zigeunerlieder gespielt, ich habe mich in zwei Sprachen mit teilweise Fremden und teilweise Lieben unterhalten.
Mit einem Wort – ich bin glücklich. Ich bin nach Hause gefahren mit vielen roten Blumen und schwarzen Bändern auf den Armen, und meine Bilder, meine liebsten Kinder, wurden mit einer solchen Begeisterung aufgefasst, die mir das Herz wärmt.
Ich hatte eine deutliche Empfindung: Nach diesem Abend nun kann alles passieren. Nach diesem Abend kann ich auch sterben, es wäre mir gleich. Jetzt weiß ich, dass alles, was ich bisher in meinem Leben getan habe, nicht umsonst war.  Denn heute Abend hat sich mein ganzes Leben in einem einzigen Raum versammelt.

Das sind die Worte einer von Glück betrunkenen, und genau darum wollte ich sie noch jetzt, totmüde, verfassen. Und veröffentlichen, ohne noch einmal darüber zu lesen, denn Aufrichtigkeit ist der wahre Wert der Worte.

Schlaf gut, liebe Welt. Lass uns lächelnd unsere Ruhe genießen, und uns morgen wieder treffen. Gehen wir morgen einen Kaffee trinken.

Nachtrag zu Illustrationen

Körbi hat das Bild mit dem Jungen  mit dem Wolf kritisiert, sodass ich es aufbessern musste. Ich habe versucht, das Gesicht weniger flach und tot zu machen.

Vorher     –     Nachher:

Außerdem habe ich eine neue Illustration zum Drow namens Pharaun:

Recht untypische Darstellung, aber es passt zu ihm.

Das war es ersteinmal wieder. Zur Zeit bin ich sehr mit Vordiplom und Theater beschäftigt. Über die aktuelle Produktion von letzterem folgt die nächsten Tage ein ausführlicher Bericht – Es lohnt sich!